der druckausgleich

Den bis jetzt aufgeführten Erklärungen können wir wichtige Hinweise für das Freitauchen entnehmen. Wir haben gesehen, dass unser atmosphärischer Druck gleich groß ist wie eine 10 m Wassersäule. Es ist möglich, als Freitaucher in diese Tiefe zu tauchen, ohne zusammengedrückt zu werden und ohne, dass daraus körperliche Schädigungen entstehen. Wir haben das Gasgesetz von Boyle-Mariotte erwähnt. Diese Erkenntnisse möchten wir jetzt auf das Freitauchen anwenden.

Wir haben im Körper gasgefüllte Hohlräume. Die wichtigsten für den Freitaucher sind:

  • Nasen- und Rachenraum
  • äußerer Gehörgang
  • Euchstach'sche Röhre
  • Mittelohr
  • Stirnhöhlen
  • Kieferhöhlen
  • untere Atemwege
  • Magen (zum Teil)

Wenn wir in die Tiefe tauchen, entsteht im äußeren Gehörgang ein Druck. Dieser wird mit zunehmender Tiefe immer größer. In 10 m Tiefe beträgt er 2 bar. Der äußere Gehörgang ist durch das Trommelfell abgeschlossen. Hinter dem Trommelfell liegt das Mittelohr.

Bildquelle 1 (siehe unten).
Bildquelle 1 (siehe unten).

1  Ohrmuschel

2  Gehörgang

3  Trommefell

4  Hammer

5  Amboss

6  Steigbügel

7  Paukenhöhle

8  Bogengänge

9  Schnecke

10  Ohrtrompete (Eustach)

11  Ohrschmalzdrüsen

12  Nervenstränge


Durch zunehmende Tiefe und zunehmenden Druck wölbt sich das Trommelfell nach innen - Richtung Mittelohr - und erzeugt einen empfindlichen Schmerz. Wir haben einen Unterdruck im Mittelohr. Diesen müssen beheben, sonst reißt das Trommelfell, und es kommt zu Gleichgewichtsstörungen durch die Reizwirkung des eindringenden, kalten Wassers.

Bildquelle 2 (siehe unten).
Bildquelle 2 (siehe unten).

Um den Druck zwischen Mittelohr und Gehörgang auszugleichen, pressen wir durch die Eustach'sche Röhre komprimierte Luft ins Mittelohr. Dies geschieht durch Zuhalten der Nasenflügel und Ausüben eines Gegendrucks (Valsalva-Manöver). Wir verfahren genau so, als ob wir die Nase putzen. Zusätzliches Schlucken von Speichel verstärkt die Wirkung. Durch das Pressen entsteht ein Druckausgleich im Mittelohr und der Schmerz hört auf. Der Druck im Mittelohr und im äußeren Gehörgang ist in diesem Moment fast gleich groß. Wenn wir in die Tiefe tauchen, sollte der erste Druckausgleich vor dem Abtauchen bzw. innerhalb des ersten Meters erfolgen, damit der Schmerz gar nicht erst auftritt. Danach müssen wir den Druckausgleich ständig wiederholen, je nach Bedarf. Beim Auftauchen verhält sich das Ganze in umgekehrter Weise mit dem Unterschied, dass wir die Luft nicht aus dem Mittelohr heraussaugen können. Sie tritt bei gesunden Menschen selbst wieder durch die Eustach'sche Röhre in den Rachenraum.

Beim Tauchen gilt ein Mensch nicht mehr als gesund, wenn er erkältet ist oder auch nur leichten Schnupfen hat. Durch Erkältung oder Schnupfen schwellen die Schleimhäute in der Eustach'schen Röhre an. Die Hohlräume der Stirnhöhlen sind verstopft und der Druckausgleich kann beim Abtauchen nur mit Mühe oder gar nicht hergestellt werden. Beim Auftauchen vermag die komprimierte Luft nicht mehr aus dem Mittelohr auszutreten. Es kommt zu Schmerzen im Ohr und schließlich im Extremfall zum Trommelfellriss. Dasselbe passiert in der Stirnhöhle: die Luft kann nicht mehr austreten, empfindliche Schmerzen sind die Folge. Auch bei nur leichter Erkältung kann beim Tauchen infizierter Schleim in das Mittelohr oder in die Stirnhöhle gepresst werden. Dies ist die Ursache für eine nachträgliche Mittelohrentzündung oder Stirnhöhlenvereiterung. Beides sind Unannehmlichkeiten, die sich vermeiden lassen, wenn folgende Regel genau befolgt wird:

Bildquelle 3 (siehe unten).
Bildquelle 3 (siehe unten).

Noch ein wichtiger Hinweis: Ohrentropfen und Nasenklammern werden beim Tauchen nicht verwendet! Erstere behindern uns beim Druckausgleich und können im Extremfall zum Trommelfellriss führen. Die Verwendung von Nasenklammern verhindert den Druckausgleich in der Tauchmaske im Falle eines relativen Unterdruckes (Gefahr der Augen-Netzhaut-Ablösung).

Übungsfrage

Wann soll beim Tauchen ein Druckausgleich erfolgen (Valsalva-Manöver)?

Bildquellen:

1) DLRG e.V. (Hrsg.): Theorie für Schnorcheltaucher. 6. Auflage 2003. Seite 8.

2) URL: <https://www.nies.ch/doc/tr/tr161_taucherohren.de.php>. 07.04.2020

3) DLRG e.V. (Hrsg.): Theorie für Schnorcheltaucher. 6. Auflage 2003. Seite 9.